Italien in den 70er Jahren hatte einen Boom in der Filmindustrie, durch die Jahrzehnte davor, konnte man alles drehen und fand immer Abnehmer. Das führte zu vielen Exploitationsfilmen, man drehte alles, was irgendwie irgendwo erfolgreich war, vor allem in Hollywood. Doch man fand auch eine eigene Linie, dass bei den etwas anspruchsvolleren Filmen mit den Topstars des Landes oder auch Europa. Dennoch versuchte man die Menschen ins Kino zu bekommen. Anders kann man sich Die nackte Bourgeoisie nicht erklären. Denn mit Ornella Muti in einer Hauptrolle sollte man also einige Leute in den Kinosaal bekommen. Als Zuschauer, der den Streifen 40 Jahre später sieht, stellt fest, man muss erst an Senta Berger vorbei und der Film ist zäh. Man wird zwar mit vielen hübschen Aufnahmen von Venedig belohnt, aber irgendwie fragt man sich, was hier erotisch sein soll. Doch Ornella Muti rettet den Film wieder mit ihre Präsenz und Schauspiel, doch fangen wir vorne an.

Die Handlung dreht sich um Matthias, welcher nach Venedig kommt, um dort Musik zu studieren, er hat ein Stipendium für Klavier. Dort lernt er Renato Richter kennen und freundet sich mit ihm an. Renato seine Mutter Clara ist Klavierlehrerin und langsam kommen sich Matthias und Clara näher, das gefällt Renato am Anfang noch. Doch schnell wird er eifersüchtig und will seine Mutter für sich haben. Als alle drei bei Freunden essen, soll Renato Elena näher kommen, seine Mutter will das Beide heiraten. Doch Elena hat nur Augen für Matthias und dieser verliebt sich auch in sie. Clara und Renato sind bald vergessen, doch dies führt schnell zu Problemen.

Drama hier und Drama da in Die nackte Bourgeoisie, man hat hier und da im Film gute Ansätze und zeigt uns eine Gesellschaft, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg steht. Dabei wirkt das alles aber sehr weit entfernt für die Figuren und die Geschichte und man nutzt es nur am Rande. Viel mehr erzählt man uns die langweilige Geschichte eines jungen Mannes, der sich erst in eine ältere Frau verliebt und dann in eine gleichalterige.

Die nackte Bourgeoisie ein sterotypisches Drama

Sehr langsam wird das Drama in Die nackte Bourgeoisie aufgebaut, dabei verliert man sich auch sehr in so manchen Charakter und zeigt uns Dinge, die nie wieder angesprochen werden. Wir sehen alles aus der Sicht von Matthias, bis auf ein paar Momente, welche dann auch die Schlüsselszenen des Films sind. Dabei fällt aber sehr deutlich auf, dass manches einfach nur da ist, weil es in ein Drama gehört. Die Dreiecksbeziehung, welche man hier andeutet, da Matthias zwischen Clara und Elena steht, ist nur eine Alibihandlung. Beide Frauen kämpfen nie wirklich um ihn, außer im Finale. Clara ist hier aber auch die Böse, weil sie die ältere Frau ist.

Clara sollte es aber besser wissen, doch sie ist wie Elena und will gewinnen und Beide wollen Matthias haben, was zu einem guten Drama werden könnte, passiert auch nur am Rande. Immer wieder sehen wir die Menschen wie sie durch Venedig laufen und reden, dabei versucht man hier dann zu zeigen, wie die gehobene Gesellschaft mit dem zweiten Weltkrieg zu recht kommt und welcher Meinung man sein sollte. Das passiert aber immer nur am Rande und manche Charaktere sind sogar richtig genervt von dem Thema und man fragt sich wer nun recht hat. Das sind die Punkte wo die Geschichte von Die nackte Bourgeoisie punkten kann.

Matthias ist so ein uninteressanter Charakter, dass man sich immer wieder fragt, was alle Frauen an ihn finden. Er wird als langweiliger Typ dargestellt, der immer nur da ist. Er hat keine Ecken oder Kanten, er ist so ein dimensional, wie es nur geht. Als Hauptcharakter funktioniert er nicht, das ist das größte Problem von Die nackte Bourgeoisie, viele Charaktere haben gute Ansätze, aber man macht nichts draus, auch das Finale hier kommt man mit einer guten Wendung, aber man nutzt sie dann nicht weiter.

Erotik und anderes

Da man Die nackte Bourgeoisie als erotisches Drama verkauft, muss man auch diesen Punkt betrachten. Nun es gibt zwar ein paar Szenen mit Ornella Muti, die erotisch sind, aber am Anfang muss man an Senta Berger vorbei und die Frau ist nicht erotisch oder strahlt es aus. Hier fragt man sich wieder, was Matthias an ihr findet. Die Szenen mit ihr haben auch null Ausstrahlung, als Gegenspielerin passt Frau Berger zwar besser, aber es hat dieses typische deutsche Niveau, was zwar nicht direkt over Acting ist, aber in einer Seifenoper wär sie besser aufgehoben als Böse, die hier ein junges Paar wieder auseinanderbringen will.

Ornella Muti auf der anderen Seite versucht hier als unschuldige Elena, zu zeigen, was sie kann. Ihre Szenen versprühen ihre typische Erotik und füllen die Leinwand aus. Sie gibt die naive Unschuldige perfekt, man merkt, aber schnell das sie sehr durchtrieben ist. Das gibt sie gut und hier kommt auch etwas Erotik auf. Man sollte nur keine Nacktheit erwarten, das gibt der Film nicht her. Es gibt zwar ein paar Szenen, die etwas andeuten aber viel ist das nicht.

Optik

Womit Die nackte Bourgeoisie punkten kann, ist die Kameraarbeit, hier bekommt man viele tolle Einstellungen geboten. Der Film sieht gut aus, was auch an Venedig liegt und man nutzt die Stadt für sich. Man merkt aber auch immer wieder, dass der Film in den 30er Jahren spielt. Das liegt vor allem den Orten und Gegenständen, die man nutzt, auch zum Teil an der Kleidung. Vor allem der Unterwäsche, die man uns zeigt. Wenn man schon keine Nacktheit filmt, so gibt es Ornella Muti in hässlicher Unterwäsche zu sehen. Dazu gibt es tolle Kameraeinstellungen, wo man Spiegel nutzt und man eindeutig merkt, dass es europäisches Kino ist.

Mit den Sets und der Kamera bekommt man bei Die nackte Bourgeoisie etwas geboten, es ist aber auch das Einzige wo der Film wirklich punkten kann. Auch der Soundtrack wirkt zum Teil zu schnulzig, zu süß, zu romantisch. Die Bilder sprechen eine andere Sprache, zum Teil sieht man hier die Realität und auch der Inzest zwischen Clara und ihrem Sohn den man deutet oder die Männerfreundschaft, die sogar mehr sein könnte. Alles sieht man in den Bildern deutlicher als es uns die Dialoge sagen.

Fazit:

Die nackte Bourgeoisie hat viele schwächen. Man baut die Handlung nicht richtig auf, deutet die interessanten Punkte nur an und man muss zu viel von Senta Berger ertragen. Auf der anderen Seite hat man Ornella Muti, welche den Film aufwertet und die tollen Bilder. Dennoch ist es ein ruhiger, langsamer und langweiliger Film.

Die nackte Bourgeoisie

Movie title: Die Nackte Bourgeoisie

Director(s): Tonino Cervi

Actor(s): Ornella Muti, Senta Berger, Capucine, Paolo Bonacelli, Maria Monti, Eros Pagni, Giancarlo Sbragia, Stefano Patrizi, Christian Borromeo, Mattia Sbragia, Giuliana Calandra, Antonia Cancellieri

  • 5/10
    Handlung - 5/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 4/10
    Spannung - 4/10
  • 2/10
    Erotik - 2/10
  • 5/10
    Anspruch - 5/10
5.5/10

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