Exploitation ist ein wunderbares Genre, dass einen Film nimmt und ihn so oft wiederverwertet bis es nicht mehr geht. Das Ganze ging aber nur in den 70ern und bis Mitte Ende der 80er Jahre gut, denn dann fing Hollywood an zu klagen. Doch davor drehte man in Italien einen Film nach dem anderen, der die Geschichte eines erfolgreichen Films übernahm, dabei machte man immer etwas eigenes draus. Als Last House on the Left erfolgreich wurde, folgte in Italien mit Night Train eine eigene Version. Ein paar Jahre später dachte man sich, das Thema kann man noch gebrauchen. So entstand Horror-Sex im Nachtexpress. Man nahm also wieder böse Männer und ein paar Opfer, auch wieder im Zug und nicht irgendwo in einem Wald mit einem Haus am See. Aber scheinbar wollte man auch auf Nummer gehen und ist harmloser, als man Zuschauer vielleicht denken mag.

Die Handlung spielt in einem Nachtzug, der irgendwo durch Italien fährt. Dort treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander, ein Arzt der seine Frau in die Schweiz bringen will, eine Familie mit der 18 jährigen Tochter. Dazu Juliet, eine Protestierte, welche im Zug ihrer Arbeit nachgeht. Dazu drei junge Männer, welche scheinbar auf Stress aus sind und das Zugabteil unter Terror setzen, nach und nach übernehmen sie die Überhand aber was wollen sie? Die Nacht wird für alle zum Albtraum.

Bei Horror-Sex im Nachtexpress haben wir es mit einem Film zu tun, der nicht weiß was er sein will und lange Zeit in verschiedene Richtungen geht. Vor allem mit den Bösen, die fangen an alle zu terrorisieren und das steigert sich natürlich. Immer wieder hat man aber auch das Gefühl, es ist doch nur eine erotische Version eines Films und dann haut man doch etwas Sleaze drauf und als Zuschauer muss man mit dieser merkwürdigen Mischung klar kommen und das ist nicht immer so einfach. Vor allem moralisch ist der Film sehr fragwürdig.

Genre fährt ein auf Bahngleis 1 bei Horror-Sex im Nachtexpress

Das Drehbuch von Horror-Sex im Nachtexpress stammt von George Eastman, einem der Helden des italienischen Exploitationkinos, spielte er in unzähligen Filmen mit und schrieb auch das ein oder andere Drehbuch. So ist sehr deutlich, zu sehen wo er die Idee für diesen Film her hatte. Dabei scheint man aber dem Zuschauer mit Figuren zu bombardieren. Am Anfang am Bahnhof lernen wir alle kennen und im Zug treffen dann alle im Speisewagen zusammen. Hier fängt die Situation langsam an unangnehm zu werden für die Charaktere. Denn die drei Männer treiben ihr Spiel, alles ist aber noch harmlos und nervt nur einige Mitreißende. Dennoch scheint irgendwas nicht zu stimmen. Einer der drei ist besessen von Juliet. Doch die will ihn nicht, sie geht auch schnell wieder in ihr Abteil. Ein älterer Mann schaute sie auch lüstern an und besucht sie und da stellt sich dann heraus, was ihr Job ist. Als Zuschauer hat man hier aber schon den Ekel und nicht die Freude an der hübschen Frau.

Immer mehr Männer landen bei ihr, auch der Vater von Elena, der scheinbar auf seine junge Tochter geil ist, weil seine Frau nicht mehr mit ihm schlafen will. Die Lage spitzt sich aber immer weiter zu, weil einer der Männer immer noch Juliet haben will und diese nicht will. So überwältigen sie den Polizisten und haben eine Waffe und fangen ihr Spiel an. Da ist schon mehr, als die hälfe des Films vorbei und als Zuschauer fragt man sich, was kommen mag. Das wird schnell deutlich, denn der Terror der drei fängt nun an. Das alles passiert aber mit angezogener Handbremse.

Man spielt zwar mit den Passagieren des Zuges aber so richtig Terror oder Angst will nicht aufkommen. Als Zuschauer fühlt man sich auch gelangweilt und das bei einer Laufzeit von 81 Minuten. Als dann einer der drei Bösen auch noch Elena gewinnt bei einem Spiel und sie sich hingibt und man nicht sieht, das sie es nicht will, sondern willig ist. Da fragt man sich, doch welche Moral man hier zeigt und das ist bei all diesen Szenen so. Zwar gibt es ein paar Szenen, wo man hinter her den Ekel des Opfers zeigt. Doch scheinbar ist es hier normal, dass sich die Männer nehmen was sie wollen.

Erotik und Terror

Der deutsche Titel des Films macht es schon sehr deutlich. Denn Horror-Sex im Nachtexpress drückt es deutlich aus. Obwohl der Horror beim Sex sich nicht immer für den Zuschauer erschließt. Zugegeben Silvia Dionsio und Fiammetta Flamini sehen hübsch aus und man setzt sie auch so in Szene, aber da der Film eher schockieren will und man Sex nicht als etwas schönes zeigen will. Das versucht man am Anfang auch noch, man erspart uns wie Juliet es mit den Kunden treiben muss. Man zeigt uns aber Elenas Vater und sein Verlangen. Das wirkt schon sehr befremdlich und zeigt, dass alle Charaktere hier wohl einige Probleme haben. Als Zuschauer ist man hin und her gerissen, was das alles soll. Denn auch der Terror wird nicht immer deutlich und die Charaktere leiden zwar etwas aber scheinen Spaß zu haben. Die Gefahr wird niemals deutlich.

Noch deutlicher wird es bei der erwähnten Szene von Elena, hier gewinnt einer der drei Bösen gegen den Vater das Spiel, was er hätte nie gewinnen können und bekommt so die Tochter. Diese freut sich aber mehr darauf, es könnte auch ihre Art sein mehr gegen den Vater zu rebellieren, er hat eh was gegen ihren Freund und der Typ scheint genauso zu sein. Also haben sie Sex, das ist dann auch erotisch in Szene gesetzt mit sehr süßer Musik, dass alles auch romantisch wirkt. Doch als Zuschauer von Horror-Sex im Nachtexpress fragt man sich, warum diese Szene so spät im Film kommt, wär sie eher nicht besser aufgehoben und könnte so zeigen, was für Typen diese drei Bösen sind?

Optik

Man versucht bei der Kameraarbeit das Beste, da der ganze Film nur in einem Zug spielt, hat man das Problem mit dem Platz, da man in Italien aber ohne Ton drehte und so kleine Ari Kameras nutzen konnte, ist dies hier nicht störend. Man zeigt uns viel vom Zug und versucht auch immer wieder Aufnahmen von einem fahrenden Zug davon zu überzeugend, es würde alles wirklich in einem spielen. Das funktioniert auch gut, man nutzt das Set gut und die Kamera bietet ein paar nette Einstellungen. Auch wenn hier das Problem ist, das einige Szenen zu erotisch wirken, obwohl sie es nicht sollten. Das Thema zieht sich durch alle Aspekte von Horror-Sex im Nachtexpress.

Man merkt in welchem Jahrzehnt wir angekommen sind und die Outfits schreien schon nach 80er Jahren, ansonsten versucht man alles sehr Zeitlos zu halten, obwohl man am Anfang ganz unauffällig alle Pornomagazine am Kiosk kauft, natürlich muss dies der Assistent tun, warum man uns diese Szene zeigt, bleibt aber auch offen. Man stellt hier alle Männer als notgeil da, was passend ist, es ist eine kleine unterschwellige Kritik an dem Zuschauer, der diese Filme gern nur wegen der Nacktheit und Gewalt schaut.

Fazit:

Horror-Sex im Nachtexpress ist das Rip Off vom Rip Off und bietet nicht immer das was man als Zuschauer erwartet. Was George Eastman sich hier auch beim Drehbuch gedacht haben mag, die Männer im Film sind alle unsympathisch und das ist ein guter Ansatz, doch immer wieder rutscht man doch in das maskuline Kino ab, wo Frauen gefallen dran haben, vergewaltigt zu werden.

Horror-Sex im Nachtexpress

Movie title: Horror-Sex im Nachtexpress

Director(s): Ferdinando Baldi

Actor(s): Silvia Dionisio, Werner Pochath, Zora Kerova, Gianluigi Chirizzi, Carlo De Mejo, Giancarlo Maestri, Fausto Lombardi, Gino Milli, Roberto Caporali, Antonio Maimone, Gianfranca Dionisi, Rita Livesi

  • 5/10
    Handlung - 5/10
  • 6/10
    Schauspiel - 6/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 5/10
    Spannung - 5/10
  • 3/10
    Erotik - 3/10
  • 4/10
    Unterhaltung - 4/10
5.0/10

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