Christoph Schlingensief ging leider viel zu früh von uns, doch seine Werke werden für immer bleiben. Denn der deutsche Filmemacher, hat einiges getan für den deutschen Film, auch wenn er zu den Personen gehört die man immer wieder vergisst. Dabei hat er einige Filme gedreht und seine Deutschlandtrilogie ist ein Spiegelbild einer Nation im Wandel. Legendär wurde er durch seine MTV Show U3000, doch gut zehn Jahre davor drehte er mit Das deutsche Kettensägen Massaker einen Horrorfilm zur Wiedervereinigung. Schon der Name verrät woher man die Idee hatte und was man machen wollte. Doch Schlingensief parodiert und treibt alles auf die Spitze. Der Horror ist hier nur Mittel zum Zweck. Denn man zieht alles durch den Kakao und zeigt was mit den Menschen aus Ostdeutschland im Westen passiert und auch den Konsumwahnsinn im Westen sieht man immer wieder deutlich.

Die Handlung beginnt am 3. Oktober 1990 in Leipzig. Clara bringt ihren Ehemann um, weil sie einen Freund im Westen hat. Das Land ist frisch wiedervereint und nun will sie verschwinden. Sie steigt in ihren Trabbi und fährt los. Doch der Westen ist anders als erwartet. Die Menschen sind merkwürdig und alles wirkt sehr düster, nichts mehr von der Freude und Herzlichkeit. Schon an der ehemaligen Grenze merkt Clara, dass die Welt verrückt geworden ist. Irgendwo im Nirgendwo im Westen trifft sie auf eine Familie, die etwas Besonderes mit Menschen anstellt und mit Vorliebe mit ostdeutschen Mitbürgern, sie werden zu Fleisch verarbeitet.

Satire, Humor und Horror das alles wird in knapp 60 Minuten Laufzeit von Das deutsche Kettensägen Massaker vereint. Er spricht aber auch sehr deutlich aus gegen die Wiedervereinigung aus und kritisiert sehr deutlich wie das alles ablief. Ein Film am Puls der Zeit, der den Genrefilm für seine politsche Aussage nutzt und den Zuschauer mit der Symbolik fast erschlägt.

Die Wiedervereinigung wird zum Horrorfilm in Das deutsche Kettensägen Massaker

Das Abenteuer von Clara was wir sehen ist nichts anders, als die, was man auch in Texas Chainsaw Massacre 1 und 2 sah. Das ist bewusst gewählt von Christoph Schlingensief, denn er fand die Filme toll und vor allem den zweiten. Er nutzt die Geschichte des ersten Teils und die Überdrehtheit des zweiten für seinen Film. Denn Das deutsche Kettensägen Massaker zeigt uns eine Welt voller verrückter Charaktere und es wird immer schlimmer. Dabei bedient man sich bestimmten Elementen des Horrorfilms in der Geschichte. Clara ist unser Final Girl und darf auch ihre heroischen Momente haben, auch wenn die hier etwas anders ausfallen. Doch die Ansätze sind gleich. Wir lernen auch die Familie kennen und merken schnell, dass sie sehr viele Probleme haben und das man hier aber auch mehr will als nur den typischen Horrorfilm zeigen.

Dabei sind die Charaktere extrem überzeichnet und agieren auch so. Es ist der Schlingensief Stil. Er haut einen alles direkt in die Fresse und will nichts verstecken. Der Zuschauer soll merken, worum es geht. So sollte jedem klar sein, dass es kein Horrorfilm ist, welcher ein paar Splattereffekte hat. Es ist ein Mittel zum Zweck. Man zeigt hier was mit den ostdeutschen Menschen im Westen passiert. Botschaften wie Freundschaft und Familie werden hier demontiert und gezeigt was wirklich Sache ist. Dabei wirkt der Film heute aktueller, als er es damals wahrscheinlich war.

Im Verlauf des Films tauchen ein paar Charaktere auf, welche die Wiedervereinigung und die deutsche Geschichte widerspiegeln. Da wär Johnny, welcher ein Heimkehrer aus den USA ist und einfach durch dreht und von Liebe predigt, dabei sich eine Hand abhackt und ein Peace Zeichen an die Wand malt. Er spiegelt den Zwiespalt des Landes wieder, die Besetzungen und wohin er nun gehört. Diese kurzen Momente gibt es bei Das deutsche Kettensägen Massaker immer wieder.

Symbolik

Wir haben 1990 und die Grenze zu Ostdeutschland ist offen und die Menschen erleben eine neue Welt, etwas von dem sie nur gehört haben. Der Konsumwahnsinn geht los. Das zeigt Christoph Schlingensief in Das deutsche Kettensägen Massaker. Die Westdeutschen sieht man immer wieder mit einer Cola Flasche oder Dose, man macht Werbung für Porsche und zeigt andere Konsumgüter. Dabei rückt das auch in den Hintergrund, es sind kleine Details der Charaktere. Die aus dem Osten kommen immer im Trabi und sind fröhlich und wollen die neuen Menschen kennenlernen. Obwohl Clara hier die Freiheit und Liebe sucht. Hat sie ihren Mann getötet. Männer kommen auch nicht gut weg im Film, sie sind Dominat und aufdringlich. Das geht beim Ehemann los und endet in der Familie.

Im Grunde ist Das deutsche Kettensägen Massaker voller Symbole, wenn die Familie jemanden tötet dabei über das Leben und alles andere philosophiert und man so zynisch die Wiedervereinigung betont und am Ende eine zerstückelte Frau “Die Gedanken sind frei” singt, zeigt, das man hier keinen normalen Horrorfilm hat. Dabei lässt Schlingensief den Film immer absurder werden. Alleine Udo Kier als Johnny sollte hier als Beispiel genannt werden oder Clara die sich mit einem Täter zusammen tut und mit ihm schläft. Doch die Liebe hält nur kurz.

Optik

Auch wenn Das deutsche Kettensägen Massaker eine Parodie ist, so ist es auch noch ein Horrorfilm und er wird immer wieder unangenehm. Man ist nah dran und erlebt alles hautnah. Auch merkt man immer wieder deutlich, wenn Schlingensief einfach bei Tobe Hopper die Szenen eins zu eins übernimmt und sie hier aber in einen anderen Kontext packt. Am Ende dominiert dann der Horrorfilm, bevor im Abspann eine Trabant in Flammen steht und brennt. Auch die Stilmittel die Christoph Schlingensief hier nutzt, in bestimmten Szenen setzt er Zeitlupe ein um den Terror zu verstärken, was auch funktioniert. Dabei ist alles in 4:3 gefilmt, was aber zu den Bildern und der Geschichte perfekt passt.

Dass der Film Jahr 1990 spielt, sieht man sehr deutlich, auch wenn alles in einem Verlassen Fabrikgelände sich abspielt. Die Kleidung spricht Bände, was auch Absicht ist. Man soll erkennen, wer aus dem Osten kommt und wer aus dem Westen ist. Dazu hat man auch den Trabi und der ist das Sinnbild für die DDR und sonst, das Gelände ist gut gewählt. Anstatt irgendwo in Texas hat man einen verlassen Ort, wo Menschen zu Wurst werden, dem liebsten Fleisch der Deutschen.

Fazit:

Das deutsche Kettensägen Massaker macht aus der Wiedervereinigung einen Horrorfilm. Dabei zeigt man, wie sehr das Thema damals die Menschen gespalten hat und wie zynisch man damit umging. Am Ende zeigt der Film sehr überspitzt, was wirklich passierte mit den Menschen aus der DDR.

Das deutsche Kettensägen Massaker

Movie title: Das deutsche Kettensägen Massaker

Director(s): Christoph Schlingensief

Actor(s): Karina Fallenstein, Susanne Bredehöft, Artur Albrecht, Volker Spengler, Alfred Edel, Brigitte Kausch, Dietrich Kuhlbrodt, Reinald Schnell, Udo Kier, Irm Hermann, Eva-Maria Kurz, Ingrid Raguschke

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 7/10
    Unterhaltung - 7/10
  • 8/10
    Anspruch - 8/10
7.6/10