Gareth Evans wird wohl für immer der Regisseur von The Raid 1 und 2 sein, das er mit diesen beiden Filmen zwei der besten Actionfilme aller Zeiten geschaffen hat, sollte klar sein woher das kommt, aber während viele auf einen dritten Teil warten. Drehte er seit seinem Debüt einen Film in englisch und das auch noch für Netflix. Wer jetzt aber auf einen Actionfilm hofft, der wird enttäuscht. Denn Evans erschuf mit Apostle einen düsteren ruhigen Horrorfilm. Anstatt auf laute und vorhersehbare Jumpscars zusetzen. Drehte er einen Film, der wohl wie bei The Raid inspirierte wurde von Filmen aus seiner jugend. Dabei bekommen wir aber keine Retrokeule entgegen geschleudert, sondern etwas neues, was uns mit bekannten Genrenmustern erwartet aber immer so viel neues bietet, das es sehr eigenständig ist.

Die Handlung spielt im Jahr 1905, die Schwester von Thomas Richardson wurde entführt. Ein Freund der Familie hat ihn gerufen, denn für seinen Vater war er tot, nur seine Schwester Jennifer war noch das lieblingskind seines Vater. Dennoch macht sich Thomas auf den Weg auf eine kleine Insel, wo seine Schwester sein soll. Er soll sie retten und auch das Lösegeld bezahlen. Doch Thomas ist vorsichtig und schon auf der fahrt der Insel trifft er vorkehrungen, dass er nicht auffällt. Er merkt aber schnell, dass auf der Insel etwas nicht stimmt. Denn die Menschen leben wie in einer Sekte, aber was beten sie an und was lässt das Leben auf der Insel erstehen?

Willkommen in der Horrorwelt von Gareth Evans, der uns mit Apostle in eine Welt entführt die düster und rau ist. Ähnlich wie sein Beitrag von S-VHS dreht es hier auch wieder um eine Sekte, aber dieses Mal gibt es andere Wendungen und viel mehr ist auch ein Film der zeigt was mit Menschen passiert die an etwas Glauben was nicht da ist. So sind es die leisen kritischen Untertöne der Handlung, die den Film so besonders machen.

In Apostle gibt es keine Grenze zwischen Gut und Böse

Ohne lange Vorgesichte werden wir auf die Insel geworfen und die Handlung von Apostle geht los. Wir lernen langsam die Menschen kennen und man baut die Charaktere auf. Dabei nimmt man sich die Zeit um uns diese Personen zu zeigen. So entsteht eine Charakterbindung und alles was folgen wird, ist verständlicher, wir werden mit den Figuren mitfühlen und verstehen warum sie so Handeln. Dabei lässt der Film aber auch Zeit und erklärt uns warum Thomas so geworden ist und warum er seine Schwester retten will. Hier schlägt der Film schon eine Haken. Denn nicht alles ist so wie es scheint. Die Motive der Anführer, bleiben lange im Hintergrund. Alles wirkt wie eine ganz normale Entführung, damit man an Geld kommt. Man will seine Menschen versorgen, denn es gibt Probleme mit der Ernte.

Immer wieder wird die Handlung von Apostle auch sehr kritisch gegenüber dem Glauben und der Kirche. Man spricht nie einen Glauben an. Dennoch spricht die Zeit, wo der Film sehr deutlich für die Katholischekirche. Es gibt sogar eine Rückblende, in der wir sehen was mit Thomas passiert ist und was er mit der Kirche erlebt hat. Es sind starke Bilder, die uns hier gezeigt werden, es ist auch die Wendung in der Handlung. Denn an diesem Punkt, wissen wir was mit der Insel ist und worum es geht, aber nicht alles ist erzählt und manche Fragen sind hier noch offen. Doch keine Angst, der Film spielt im Finale nicht den Erklärbär und erklärt uns seinen Mythos. Vieles bleibt im Dunklen.

Die Nebencharakter in Apostle sind alle sehr interessant. Alleine die kleine Geschichte des jungen Paars, was sich immer wieder heimlich trifft. Hier baut man auch eine starke Bindung zum Zuschauer auf und wieder gibt es einen Moment im Film, wo alles wichtig wird und zusammen kommt, dieser Punkt führt uns dann direkt ins Finale. Immer wieder zeigt sich, wie durchdacht alles in Apostle ist und warum wir es sehen, ohne dabei aber zu einem Erklär zu werden.

Der Horror in Apostle

Es ist ein schleichender Horror in Apostle, der uns packt und dann nie wieder los lässt. Schon am Anfang merken wir, dass etwas auf der Insel nicht stimmt. Das machen die Bilder des Films sehr deutlich, die erste Nacht zeigt uns merkwürdige Rituale und irgendwas geht vor sich, was Thomas sich nicht erklären kann. Er ignoriert es aber und so tun wir es auch als Zuschauer, doch es ist im Hinterkopf und lässt uns grübeln, welche Monster hier lauern werden. Das interessante ist, dass der Film schon nach der Hälfte uns verrät, was los ist auf der Insel, aber das passiert so Subtile, dass es noch viele Fragen gibt.

Immer wieder bricht Apostle aber auch aus und wirkt bedrohlich. Hier sind es die Menschen, welche die größten Monster sind. Es sind Minuten voller Anspannung, denn wir wissen nicht was als nächstes passieren wird. Es ist auch ein Kampf von Gut gegen Böse, obwohle viele hier nicht wirklich gut sind oder gar Böse, es sind die Graustufen dazwischen, welche es so interessant macht. Dabei ist der Spielfilm aber auch immer wieder Brutal, doch diese Momente passen perfekt in die Handlung und zeigen uns wie rau die Welt von Apostle doch ist.

Optik

Apostle sieht wunderschön aus. Die Insel und ihre Natur kommen hier zur Geltung. In vielen ruhigen Bildern zeigt uns Gareth Evans die Natur und das gehört zu dem Konzept des Films, wir sollen die Welt sehen und in kleinen Details verändert sich auch immer wieder etwas. Vor allem im Finale muss man aufpassen. Denn hier zeigt sich, was hinter dem allen steht was wir am Anfang gesehen haben. Ansonsten gibt es einige typische Kamerfahrten und Einstellungen die man auch aus anderen Gareth Evans Filmen kennt. Wie schon erwähnt, der Rückblick auf die Vergangenheit von Thomas ist sehr eindrucksvoll, das sind wunderschöne düstere und auch grausame Bilder, die wir hier sehen aber wie sie gefilmt sind, das vergisst man so schnell nicht.

Alles wirkt in Apostle so, dass es wirklich im Jahr 1905 spielen könnte, man verrät uns zwar nie genau wo wir sind aber man sieht eine schöne Insel. Dabei sind die Häuser einfach und alles wirkt so als ob es wirklich ein paar Männer errichtet haben. Alle leben wie Siedler. Sind sie doch alle geflohen von einem anderen Leben und den Preis den sie zahlen, das zeigt man uns auch. Von der Kleidung bis hin zur Einrichtung alles wirkt schlicht und man sieht sogar den Menschen genau an welchen Job sie auf der Insel haben.

Fazit:

Apostle ist ein wunderschöner düsterer Horrorfilm, der an eine andere Zeit erinnert. Er kommt ohne Jumpscars aus und am Ende spielt niemand ein Erklärbär, sondern man lässt den Mythos so wie er ist. Dabei gibt es auch ein paar brutale Szenen, die aber zur Handlung dazu gehören und alles verdeutlichen was gerade passiert. Gareth Evans zeigt mit diesem Film, dass er mehr ist als nur Mr. The Raid 1 und 2.

Apostle

Movie title: Apostle

Director(s): Gareth Evans

Actor(s): Dan Stevens, Michael Sheen, Lucy Boynton, Bill Milner, Kristine Froseth, Mark Lewis Jones, Elen Rhys, Annes Elwy, Ross O'Hennessy, Richard Elfyn, Ioan Hefin, Juke Hardy

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 7/10
    Spannung - 7/10
8.3/10