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FIlmkritik

Chungking Express

1994 war Wong Kar-Wai mit dem Schnitt zu Ashes of Time beschäftigt, doch er brauchte eine Pause und wollte einen Film drehen. Etwas kleines und schnelles. Etwas anderes als sein Martial Arts Epos. Da entstand die Idee zu Chungking Express, welcher ihn dann auch seinen internationalen Durchbruch bescheren sollte. Es muss eine sehr kreative Phase gewesen sein, denn das Drehbuch umfasste drei Geschichten, aber davon wurden nur zwei in Chungking Express untergebracht. Die dritte wurde mit Fallen Angels zu einem eigenständigen Film. Interessant ist es auch, dass es einer der letzten Filme mit Brigitte Lin war. Eine der größten Stars des neuen Hongkong Films, man nannte sie auch die Garbo des Hongkong Films, weil sie so eine Ausstrahlung hatte. Das zeigt sie auch in diesem Film. Dazu hat man mit Faye Wong einen Popstar aus China, welche auch gern die Björk von Asien genannt wird. Alles kommt hier zusammen in diesen Schmelztiegel von Film.

Die Handlung dreht sich um das verlassen werden und verlieben. Dabei werden zwei Geschichten erzählt, alles passiert auch an einer Imbissbude. In der ersten Geschichte geht es um dem Polizisten 223, der von seiner Freundin May verlassen wurde und er nun einen Monat versucht sie zu vergessen, dabei trifft er auch auf eine mysteriöse Frau in einer blonden Perücke. Diese leitet einen Drogenschmuggler Ring. Doch das verliebt sein hält nicht lange und er trifft auf Faye, welche auch an der Imbissbude arbeitet, doch er verlässt die Handlung und der Polizist 663 taucht auf, er hat Beziehungsprobleme mit seiner Freundin, welche Stewardess ist, sie waren ein Jahr zusammen. Doch sie verlässt ihn und 663 verliebt sich in Faye, die von der Freiheit und dem Reisen träumt.

Filme wie Chungking Express sind selten. Dieser Spielfilm aus Hongkong ist so voller Energie und Tempo, das man als Zuschauer die Zeit vollkommen vergisst, hier erlebt man eine Stadt die ein Tempo an den Tag legt, genauso wie die Person. Nur um in einem anderen Moment komplett ruhig zu sein. Es ist auch einer der wenigen Filme, wo ein Song so wandelbar genutzt wird. California Dreamin‘ von The Mamas and the Papas, wird im Verlauf acht Mal eingesetzt und das immer wieder unterschiedlich.

Verlassen werden und die flüchtige Liebe in Chungking Express

Wir alle hatten schon einmal Liebeskummer und wissen wie man sich da fühlt. Jeder geht damit aber auch anders um. Genauso wie die Figuren in Chungking Express. Den ersten Charakter den wir kennenlernen, hat noch die Hoffnung das seine Ex-Freundin zurück kommt. So wartet er und kauft Dosenananas. Es müssen aber bestimmte sein, denn das Verfalls Datum soll der erste Mai sein, sein Geburtstag und dann ist die Trennung ein Monat her. Es sind diese kleinen feinen Details, welche die Handlung von Chungking Express so einzigartig machen. Wir lernen die Charaktere kennen und 223 erzählt uns aus dem Off immer wieder von dem Leben, während wir die Frau mit der blonden Perücke immer nur bei ihrer arbeit sehen und was sie macht.

Es ist nur ein flüchtiger Moment und 223 verliebt sich in diese Frau und versucht sie kennen zu lernen, doch ihr zusammen sein ist auch nur von kurzer Dauer und dann verschwindet sie wieder. Wir sehen auch noch ein anderes Paar, was die blonde Perücke findet und in ihr Leben einbaut. Es ist das Symbol, das man manchmal jemanden nur wegen des Aussehens liebt und das hält meist nie lange an. Das zeigt uns dieser Teil des Films sehr gut. Denn der Polizist 223 sucht keine neue Liebe, er sucht nur den flüchtigen Moment und dann muss seine Trennung verarbeiten. Dennoch ist diese Frau sehr faszinierend.

Am Ende dieser Geschichte wissen wir als Zuschauer sehr gut, wie sich der Charakter fühlt. Die Frau dagegen ist ein Mythos, sie spricht wenig und wir wissen nur was sie nach geht, das macht sie zu keiner netten Person. Dies wissen wir aber nur als Zuschauer. Für 223 ist sie eine interessante Frau, der keine Ahnung von ihren Job hat. Sie blockt seine anmach versuche auch immer wieder ab. Dennoch unterhalten sie sich über alles mögliche. Diese kleine Details, wirken wie aus dem Leben gegriffen und sind die kleinen Momente der Ruhe in der sehr hektischen Geschichte.

California Dreamin‘

Während 223 die Geschichte verlässt, lernen wir 223 und Faya kennen und das durch ein Lied. Denn Fays hört sehr laut California Dreamin‘ von The Mamas & The Papas und genau diese Lied wird unser stetiger Begleiter in dieser Handlung von Cungking Express. Es ist auch ohne zweifel die bessere der Beiden. Es wirkt fast so als ob wir einen anderen Film sehen. Was bei Episodenfilmen passieren kann. Hier hat man aber eine ganz andere Stimmung. Auch 223 wird von seiner Freundin verlassen. Dabei geht er ganz anders mit ihr um, weil er zu diesem Zeitpunkt schon Faya kennengelernt hat. Diese junge freche und quirlige Frau verändert sein Leben.

Wir sehen wie beide sich Zaghaft kennenlernen und immer wieder läuft California Dreamin‘ und jedes Mal wird das Lied anders genutzt. Es ist die Einführung für die Charaktere, dann für etwas Humor. Dann auch als Hinweis, wie das Finale sein wird und um was geht. Kalifornien ist ein großes Thema in der Geschichte. Es läuft aber auch als Faya sich in die Wohnung von 663 schleicht und sie entdeckt und dann im Finale, wenn sich beide wieder sehen. Es ist unfassbar, wie vielseitig das Lied genutzt wird. Das ist eine der großen Stärken des Films, wir wissen was dieser Song bedeutet und immer wenn er läuft, achten wir noch aufmerksamer auf das was passiert.

Ein weitere Song der in dieser Geschichte zu hören ist, kommt von Faya Wong selbst und heißt Meng Zhong Ren und ist ein Cover des The Cranberries Songs Dreams. Dieses Lied wird für eine Montage genutzt, wenn wir Faya sehen wie sie Zeit in der Wohnung von 663 verbringt, sie aufräumt und so sein Leben in Ordnung bringt. In diesem Moment ist die Welt von Chungking Express in Ordnung, auch wenn das was wir sehen, sehr merkwürdig ist und definitiv ein Stalker ist. Dennoch verzeihen wir es Faya, denn der Film geht damit sehr verspielt um.

Optik

Die Bilder von Chungking Express sind in der ersten Geschichte schnell. So schnell das wir uns erst an das Tempo gewöhnen müssen. Es spiegelt aber Hongkong perfekt wieder, eine Stadt wo dieses Tempo normal ist. Dennoch gibt es immer wieder Ruhe, doch die Hektik dominiert hier alles. So gibt es paar sehr interessante Einstellungen, alleine die kurzen Verfolgungsjagden, hier sieht es für uns aus, als ob das Bild fast steht und sich dennoch alles bewegt, das erzeugt auch die Hektik und man nutzt diesen Effekt ein paar Mal. Danach aber nicht wieder, denn die zweite Episode im Film ist viel ruhiger und nutzt andere Kameraeinstellungen.

Auch die Farbgebung von beiden Episoden in Chungking Express sind sehr unterschiedliche. Die Rund um 223 ist in einem Gelb gehalten und wirkt dadurch auch etwas düstere, was auch an der Geschichte rund um die Frau mit der blonden Perücke liegt. Diese wird auch in sehr fiebrigen Bildern gezeigt. So bald alles zu der Geschichte Rund um 663 und Faya wechselt, bekommt man einen bläulichen Farbton präsentiert und alles wirkt heller und freundlicher. Es ensteht eine komplett andere Stimmung, so sind dann auch die Einstellungen. Die Kamera ist ruhiger aber immer noch in Bewegung. Es gibt die typischen Wong Kar-Wai extremen Nahaufnahmen und wir sind so nah an den Figuren, das der Hintergrund manchmal verschwindet und die Kamera dann weg geht und durch den Raum fliegt oder den Charakter begleigt.

Wenn Faya die Wohnung von 663 erkundet, wirkt alles sehr verspielt. Die spätere Montage zeigt uns dann Faya wie sie das Leben von 663 ordnet. Hier hat man das Gefühl das etwas sehr positives passiert. Das die beiden Charaktere einfach zusammen gehören, auch wenn sie getrennt sind. Es ist auch ein Spiel, wo sich Faya in der Wohnung vor 663 versteckt. Hier sind beide im Bild, doch sehen sich nicht.

Fazit:

Chungking Express ist ein wunderschöner Film. Der ein starkes Tempo in der ersten Geschichte vorlegt, um dann eine 180 Grad Wendung zu machen in der Zweiten. Man bekommt einen tollen Spielfilm zu Gesicht, der einen das Verlassen werden näher bringt, auf eine so unkitischige Art und Weise wie es selten der Fall war. Dazu hat man danach ein Ohrwurm von California Dreamin‘.

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