Der moderne Actionfilm lebt und dank Asien bekommen wir auch immer wieder ein Highlight nach dem anderen. Dabei hat Gareth Evans mit The Raid 1 und 2 gezeigt was man alles machen kann mit wenig Geld. Seit dem ist Hauptdarsteller Iko Uwais ein Star, der es auch schon bis nach Hollywood geschafft hat. Doch auch in seiner Heimat Indonesien dreht er immer noch Actionfilm. Vor zwei Jahren drehte Regisseur Timo Tjahjanto mit Kimo Stamboel als The Mo Brothers den Actionfilm Headshot, welcher zeigt das beide zwar etwas Talent haben aber am Ende durch viele inkosequenz nicht so überzeugen konnte. Man bekam zwar ein paar gute Martial Arts Szenen aber bei der Gewalt, drehte man immer wieder auf, nur im nächsten Moment komplett harmlos zu sein. Jetzt zwei Jahre später mit The Night Comes for Us von Tjahjanto gibt es bei Netflix den nächsten Versuch. Wieder Uwais in der Hauptrolle, dazu auch Joe Taslim, welcher auch bei The Raid dabei war.

Die Handlung dreht sich um Ito, der vor kurzem noch für die Triaden gearbeitet hat. Er wird Mitglied der sechs Meere, einer Gruppe von Personen, die immer dann einschreiten, wenn die Drecksarbeit gemacht werden muss, dabei ging man mit viel Gewalt an. Als Ito ein Dorf abschlachten sollte, entdeckt er aber in form des Mädchen Reina sein gewissen und hört damit auf, bringt seine Kollegen um und flieht. Doch die Triaden vergessen nicht und so steckt Ito in Lebensgefahr, auch seine alten Freunde können ihn kaum helfen. Denn man schickt Arian los um den Job zu erledigen. Der ehmals beste Freund von Ito. Doch vor drei Jahren trennten sich die Wege.

Eins muss man The Night Comes for Us lassen, die Handlung ist besser als in Headshot, dazu ist Iko Uwais als böser unterwegs. Das konnte er schon in Mile 22 zeigen aber dort wurde sein Potenzial verschenkt. Immer noch ein Problem ist die Gewalt. Regisseur Timo Tjahjanto geht damit sehr inkonsequent vor und das sogar in einer Szene. Man sollte den Film aber eh nicht auf seine blutigen Exzesse reduzieren.

Einmal das übliche Bitte in The Night Comes for Us

Die Handlung von The Night Comes for Us erfindet das Rad nicht neu und hat auch einige Probleme, welche man sehr deutlich erkennt. Das geht los bei der Charakterentwicklung. Im Grund wissen wir alles über Ito schon nach den ersten paar Minuten und über seine Freunde nach einem Dialog auch. Man merkt zwar hier und da, dass man die Spannung halten will, aber das funktioniert leider nur sehr bedingt. Denn im Grunde sind uns die Figuren in der ersten Hälfte des Films egal. Vor allem die Freunde von Ito, welche hier auf Reina aufpassen sollen, während er Geld besorgen will. Hier merkt man zwar die Ambitionen von Regisseur Timo Tjahjanto, dass er die Welt des Films ausbauen will, aber uns als Zuschauer interessiert kaum was mit den Figuren passieren, die Dramatik die gezeigt wird, klappt einfach selten.

In der zweiten Hälfte fängt man dann endlich an, die Geschichte zu erzählen, so erfahren wir etwas mehr über Ito und Arian aber vieles bleibt im Hintergrund. Auch die Triaden und die sechs Meer. Man deutet auch an, dass Ito nicht so gut ist wie er tut. Das ist uns als Zuschauer aber auch klar. Sein Gewissen ist Reina und die will er beschützen um jeden Preis. Die Frage warum gerade sie, wird nie gestellt oder beantwortet. Man merkt aber deutlich, dass hier mehr Potenzial drin gewesen wär. Das selbstironische was die Geschichte von The Night Comes for Us an manchen stellen an den Tag legt, passt einfach nicht. Man hat das Gefühl, man wollte eine Welt wie bei John Wick aufbauen und lässt sehr viel weg, damit man es in einem zweiten Teil erzählen kann.

Es gibt sehr viele Figuren, die einfach da sind in dem Film. Da wär die mysteriöse Frau die von Julie Estelle gespielt wird, die einfach Auftaucht und immer wieder Leute tötet. Sie ist auch hinter Ito her, wer sie schickt, wissen wir nicht. Sie ist einfach da, weil man für ein Teil der Handlung noch einen Charakter brauchte. Vor allem scheinbar auch einen Gegner, gegen die anderen zwei weiblichen Charakter im Film, welche auf der bösen Seite sind.

Action

Eins wll The Night Comes for Us für den Zuschauer sein, Laut und Leise. Denn es gibt die ruhigen Moment eim Film und dann gibt es da die Action. Die einen sehr miesen Start hinlegt. Denn die erste Martial Arts Einlage im Film, wirkt sehr steif und langweilig. Man führt hier Iko Uwais als Arian ein, aber das funktioniert nur bedingt. Es zeigt aber auch was uns im Verlauf des Films erwarten wird, sehr viel Blut und Gewalt. Leider ist Regisseur Timo Tjahjanto aber sehr inkonsequent in diesem Bereich und das zeigen dann die nächsten Actionszenen sehr deutlich. Anstellt auf bestimmten Schocks zu setzen und eine drastischere Methode um einen Tod zu zeigen. Gibt es Wahlose Splattereinlage im Film. In manchen Szenen wechselt das sogar so schnell, das ein Gegner einfach sehr blutig stirbt und der nächste zwat auf eine ähnliche weise getötet wird aber hier zeigt man kein Blut. Am auffälligsten ist das, wenn man Waffen benutzt, da haben Maschinengewehr Kugeln keine blutigen Einschüsse, nur beim nächsten Gegner ein Blutbad anzurichten. Diese Inkonsequenz ist es, was The Night Comes for Us dann im Verlauf der Handlung sehr viel schadet als zu helfen.

Denn im Vergleich mit Headshot gibt es eine deutliche Steigerung der Actionszenen und man hat viel gelernt. Doch man kopiert immer noch Einstellungen von The Raid und anderen Actionfilmen. Das stört zwar weniger fällt aber auf. Der Kampf im Fleischhaus, hat sehr viel Potenzial und hier verschenkt man es, für einen unnötigen Gag, während im Hintergrund Ito weiter kämpft, sehen wir einen Gegner rum taumeln und von einer Schweinehälfte erschlagen werden. Das passt nicht in die Szene. Zwar verbessert sich das alles im Verlauf des Films und vieles der Inkonsequenz kommt nur in der ersten hälfte von The Night Comes for Us vor, aber es schadet auch etwas dem Finale.

Das Finale hat es in sich. Wir bekommen zwei lange und spannende Kämpfe präsentiert. Diese funktionieren auch sehr gut, hier würde auch die Gewalt passen, nur wissen wir schon durch alles was davor war, das sowas kommen muss. Das nimmt leider allem etwas die Wucht. Doch wenn Joe Taslim auf Iko Uwais trifft, bekommt man eine lange und sehr gute Martial Arts Einlage geboten. Die am Still etwas an ein Wrestling Deathmatch. Hier passen dann auch die blutigen Szenen sehr gut.

Optik

Talent hat Regisseur Timo Tjahjanto, aber an manchen Stellen merkt man doch immer wieder, dass The Night Comes for Us auf der aktuellen Welle von Actionfilmen mit schwemmt. Das fällt vor allem bei manchen Szenen auf, wo dann Neonschilder irgendwo im Hintergrund leuchten und die Farbe wechseln, das erinnert dann vom Kontrast und den Einstellungen an andere Filme, auch bei dem Finalen Kampf der mysteriösen Frau. Hier kämpft sie vor einer Glaswand und im Hintergrund ändern sich die Farben. Das wirkt extrem stylish und sieht auch gut aus, kommt einem aber bekannt vor. Bis auf die erste Actionszene, funktionieren auch alle anderen im Film sehr gut, man sieht alles und bekommt auch alles mit. Wie gesagt die Gewalt wird zwar immer wieder sehr blutig gezeigt, aber man zieht es nicht komplett durch, obwohl man hier auch immer wieder CGI Blut nutzt.

Immer wieder nutzt Regisseur Timo Tjahjanto interessante Kameraeinstellungen für seine Actionszenen. In einer schnallt er sogar Hauptdarsteller Joe Taslim eine Kamera auf den Rücken und wir sehen über seinen Kopf, was eine coole Perspektive für den Kampf gibt. Der Film ist voller solcher Einfälle und Ideen. Man merkt das man mehr machen will und zeigen. Dazu sind die Sets auch gut gewählt, obwohl Wohnung und Tiefgaragen öfters vorkommen. So nutzt man hier einfach alles und zeigt es dem Zuschauer auch. Hier kann man dann auch Spannung aufbauen.

Fazit:

The Night Comes for Us hat ein kleines Problem und das ist die Inkonsequenz bei der Gewalt und dem Blut. Denn man bekommt zwar immer wieder, sehr blutige Action geboten, aber in anderen Szenen oder sogar in der selben Einstellung wieder nicht. Das ruiniert auch immer wiedese Szenen und ihre Schockmomente. Ansonsten bekommt man tolle Martial Arts Szenen, zwei tolle und lange Kämpfe im Finale, die es in sich haben. So hat man am Ende einen Film der unterhalten vermag, aber viel von seinem Potenzial verschenkt.

The Night Comes for Us

Movie title: The Night Comes for Us

Director(s): Timo Tjahjanto

Actor(s): Iko Uwais, Joe Taslim, Julie Estelle, Zack Lee, Sunny Pang, Shareefa Daanish, Salvita Decorte, Abimana Aryasatya, Epy Kusnandar, Hannah Al Rashid, Dian Sastrowardoyo, Dimas Anggara

  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 8/10
    Action - 8/10
  • 7/10
    Spannung - 7/10
7.2/10