©Bellfilm 2016

Das Regisseure manchmal im Ruhestand bleiben sollten oder keine Filme mehr drehen sollten, wissen wir alle. Manche beschmutzen ihr Vermächtnis so sehr, dass man die glorreichen und guten Werke vergisst. Im Grunde könnte sich auch Ruggero Deodato zurücklehnen und sein Alter genießen, aber er wollte es nochmal wissen. Scheinbar von der Geschichte rund um Amanda Knox angefixt, schrieb er ein Drehbuch und drehte dazu dann auch den Film. Daraus entstand Ballad in Blood, ein Film der von Fans erwartet wurde, denn Deodato hat seinen Kultstatus vor allem durch Filme wie Cannibal Holocaust, man vergisst aber auch seine anderen Werke wie Eiskalte Typen auf heißen Öfen, er war schon immer in vielen Genres zu Hause. Bei seinem neusten Film versucht er erst gar nicht einen Horrorfilm zu drehen, sollte er es doch versucht haben, ist er grandios gescheitert. Denn Ballad in Blood ist eine schwarze Komödie, ohne viel Gewalt und mit etwas nackter Haut.

Die Handlung beginnt mitten in der Nacht, es war eine wilde Party und Duke wacht in einer Wohnung auf und muss aufs Klo. Dort tritt er in Glass und schreit erst mal rum. In einem Zimmer haben Jacopo und Lenka gerade noch Sex, als er sie ankotzt und sie rum meckert. Im Wohnzimmer wundern sich Duke und Jacopo was passiert ist. Als sie die Leiche von Elizabeth entdecken. Die drei haben nun ein Problem, wer ist der Mörder und was machen sie mit der Leiche. Die wird aber schnell uninteressant, Duke soll erst mal Drogen verkaufen, hier gibt es aber auch Probleme und die Käufer schwören Rache. Auf ihren Streifzug durch die Nacht treffen sie auch einen Bartender und seinen Freund, die immer wieder auftauchen. In der Wohnung spitzt sich die Lage immer wieder zu. Lenka scheint verrückt zu sein.

Schnell wird einem klar, das Werbematerial was man zu Ballad in Blood sieht, stammt aus den ersten Sekunden des Films und es ist eine Halloween Party. Im Verlauf des Films wird sehr schnell deutlich, wer der Täter ist, aber warum? Das erfahren wir nie, auch andere Motivationen gibt es nicht. Die Figur von Duke ist so mysteriös, dass wir nur wissen, das er Drogen verkauft. Alleine die Auflösung wirft dann sehr viele Fragen auf, welche die großen Lücken im Drehbuch aufzeigen. Dazu wird der Film durch das Schauspiel unfreiwillig komisch.

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Drei Personen und eine Leiche in Ballad in Blood

Als Zuschauer werden wir gleich in die Handlung geworfen, keine Charaktereinführung, nichts. Wir sehen die Party und dann Duke wie er aufwacht und nackt ins Bad geht. Überall stehen Bierflaschen und er schmeißt zwei vom Klodeckel, damit er dann kurz danach rein treten kann. So lernen wir ihn kennen, als Typ der rum jammert, niemand hilft ihn und er zieht die großen Glasscherben nicht aus seinem Fuß. Die Wunde ist aber auch schnell egal und wird nie mehr Thema sein in Ballad in Blood, wie vieles nicht. Es sind Momente die man uns zeigt und die haben nicht immer einen Zusammenhang. Das ist die größte Schwäche des Drehbuches. Keiner der drei Charakter interessiert einen. Wir wollen nur wissen, wer Elizabeth umgebracht hat. Hier wird aber schnell aber auch was deutlich, es ist dem Film egal, wer es war. Am Ende wählt man den einfachsten Weg.

Lenka und Jacopo werden beim Sex eingeführt, er kotzt sie voll und sie geht dusche. Duke wird dabei komplett ignoriert. Dann beginnt sie die unfreiwillige Komik. Denn die Dynamik zwischen Duke und Jacopo scheint eher aus einer Buddykomödie zu sein als einem Horror, zu dem Thema des Genres aber später mehr. Dazu wirkt Jacopo nicht als wär er auf drogen, sondern der Schauspieler spielt ihn so als sei er geistig etwas zurück geblieben. Das liefert hier sehr viele unfreiwillige komische Szenen. Schon das Treffen mit den Gothboys, die wohl Yuppies sind. Die schwören Rache. Das ist dann ein weiterer Gag, der hier aber auch keine Befriedigung für die Zuschauer oder die Charaktere bringt.

Regisseur Ruggero Dedato hat auch einen Auftritt in Ballad in Blood, sein Charaktername ist Elli Roth. Als der Gag ist gelungen, die Anspielung an Eli Roth, der mit Green Inferno, ja eine moderne Version von Cannibal Holocaust drehte und beide scheinen auf Freunde zu sein. Jedenfalls im Verlauf des Films wird die Handlung immer merkwürdig und am Ende wird deutlich, was man schon schnell wusste. Diese eine Person ist der Mörder oder auch nicht. Denn vieles ist offen und wir wissen nichts. Die Entladung des Konflikts, der hier aufgebaut werden sollte, ist zu kurz, weil der Konflikt selbst kaum vorhanden ist.

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Horror oder Humor?

Da man überall liest, dass Ballad in Blood ein Horrorfilm sein soll, der Titel klingt ja auch schon danach. Der wird schnell enttäuscht sein. Denn der Film ist eine schwarze Komödie und nutzt ein paar Thrillerelemente. Es gibt keinen Horror im Film, zwar versucht Ruggero Deodato mit ein paar falschen Fährten uns in die Irre zu führen, so das man hofft, dass am Ende irgend eine krasse Wendung kommt. Das passiert aber nicht. Der Film ist zwar extrem Unterhaltsam und man schaut zu, das ist aber eher wie bei einem Unfall, man kann nicht weg schauen. Man schaut auch weiter, weil man die Hoffnung hat, dass irgendwas cooles passieren konnte.

Auch ist Ballad in Blood sehr harmlos, bis auf die nackt Szenen, bietet der Film hier keinen Schauwert im Bereich Splatter. Denn es gibt höstens zwei oder drei kurze Szenen. Das alles ist aber so harmlos und kurz, das der Film locker eine FSK 16 bekommen könnte, wenn die FSK schlechten Tag hat dann ist er ab 18. Ansonsten gibt es hier nichts. All diese Bilder die ihr gesehen habt, stammen aus dem Anfang der Party und so löst der Film das auch schnell auf. Viel mehr geht es hier um die Frage was man mit der Leiche von Elizabeth tun soll. Dabei gibt es ein paar kreative und durchaus lustige Ideen.

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Optik

Leider sieht Ballad in Blood auch nicht besonders gut aus. Man sieht dem Film seinen digitalen Look an und das in fast jeder Szene. Es kommt das Gefühl auf, man sieht etwas billiges und das kann auch die Kameraarbeit kaum vertuschen. Denn es gibt kaum coole Einstellungen. Zwar ist die Location der Party cool, aber die sehen wir oft und sehr oft gibt es auch sehr ähnliche Einstellungen. Man nutzt auch eine alte Wohnung mit einem antiken Bad und zeigt es uns kaum. Hier verschwendet man sehr viel Potenzial und man muss bedenken. Regisseur Ruggero Deodato hat einst bei Cannibal Holocaust auf unterschieden Filmmatieral gedreht, damit alles authentischer wirkt.

So liefert Ballad in Blood in ein paar Einstellungen ein paar nette Bilder. Auch ist er nicht wirklich ein Exploitationskino, man zeigt uns dafür zu wenig. Außer wenn es um nackte Frauen und etwas Sex geht, dann zeigt uns der Film viel. Auch die eine Szene die eine gezwungen Vergewaltigung andeutet, funktioniert und man spürt den Ekel der Frau. Doch sonst wirkt das Schauspiel der Schauspieler sehr mies. Alleine Duke wirkt wie ein wandelndes Klischee. Elizabeth bietet hier den meisten Charm in den Rückblicken.

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Fazit:

Ballad in Blood ist zwar sehr unterhaltsam, aber der Film ist nicht gut. Er hat zwar durchaus seine Momente, aber im großen und ganzen ist er eine Enttäuschung. Von der billigen digital Optik bis hin zu dem unfreiwilligen Schauspiel bietet der Film wenig, was ihn wirklich gut machen könnte. Es ist am Ende eine nette schwarze Komödie, aber kein Horrorfilm.

Ballad in Blood

Movie title: Ballad in Blood

Director(s): Ruggero Deodato

Actor(s): Roger Garth, Ernesto Mahieux, Carlotta Morelli, Gabriele Rossi, Noemi Smorra

  • 5/10
    Handlung - 5/10
  • 5/10
    Schauspiel - 5/10
  • 6/10
    Regie - 6/10
  • 5/10
    Spannung - 5/10
  • 8/10
    Unterhaltung - 8/10
5.8/10