In den 70er Jahren war sehr viel möglich, vor allem im Kino. Dinge wo man sich heute fragt, warum man es gemacht hat oder wie? Denn es gibt viele Skandalfilme aus der Zeit, einige sind verboten in Deutschland, andere bekommen locker eine Freigabe. Etwas zieht sich aber durch viele der Skandalfilme, man schien junge Schauspielerinnen in Rollen zu besetzen die zu ihrem Alter passen. Dann wollte man aber unbedingt Provozieren oder schockieren und zeigte sie nackt. Dieses Lolita Thema gibt es nicht erst seit dem Kubrickfilm oder dem Buch von Vladimir Nabokov, dennoch ist das Buch der Ausschlag für dieses Tabuthema. Ein Tabubruch kann man wie Kubrick begehen oder dem Lolita Film von 1997. Oder man macht es wie bei Little Lips – Der zärtliche Tod und setzt auf Exploitation, egal was der Zuschauer dabei fühlt, man stellt den Körper zur schau und zwingt uns den Zuschauer in eine moralische Rolle.

Die Handlung dreht sich um Paul, der hat im ersten Weltkrieg seine Unschuld verloren und auch seinen willen zum Leben. Dennoch kommt er Heim und versucht ein neues Leben zu starten. Doch das Trauma sitzt tief und immer wieder sieht er die Bilder des Krieges, oder erinnert sich an schöne Frauen und Sex. Eines Tages trifft er auf Eva und die zwölf Jährige hat es ihm angetan. Als sie ihn dann noch abhält sich das Leben zu nehmen beginnt eine Freundschaft. Eva erblüht langsam und wird zu einer Frau und Paul versucht seine Gefühl zu unterdrücken die er für Eva hat.

Man merkt welchen schmalen Grat hier Little Lips – Der zärtliche Tod geht und die Handlung könnte auch ohne diese Szenen funktionieren. Wir als Zuschauer erkennen worum es geht und das Paul in Eva etwas Seelenheil findet, erst Freundschaftich und schnell auch mehr. Denn Eva will kein Kind mehr sein, sie reift an der Seite von Paul. Wir als Zuschauer müssen aber viel mit ansehen und bei der kurzen Laufzeit, wird man schnell gelangweilt.

Das wiederentdecken der Unschuld in Little Lips – Der zärtliche Tod

Der Film beginnt mit den Offkommentaren von Paul, die uns durch den ganzen Spielfilm begleiten. Sie erzählen davon, dass er das Grauen sah und der Krieg in zerstörte. Er geniesst auch die Natur in seinem alten Heim. Er versucht hier glücklich zu werden. Doch seine Unschuld ist gegangen und sein Leben hat keinen Sinn mehr. Sein Trauma wird immer größer und auch seine Depression. Er ist Selbstmordgefährdet und es könnte jeden Moment soweit sein. Doch dann tritt Eva in sein Leben und alles ändert sich. Alles beginnt total Unschuldig, doch schnell wird Paul von ihr angezogen und das zeigt man in der Geschichte von Little Lips – Der zärtliche Tod auch sehr deutlich. Dennoch erst in dem Momente wo Eva Paul davon abhält zu springen, beginnt die Freundschaft der Beiden.

Eva stellt die Unschuld von Paul da, etwas was er gern wieder haben will. Sie kennt das Grauen des Krieges nicht. Er versucht durch sie, sich wieder normal zu fühlen und alle das zu vergessen. Am Anfang ist es eine ganz normale Freundschaft. Obwohl schon sehr deutlich zu sehen ist, dass Paul hier mehr will. Er nimmt Eva immer wieder mit zu Ausflügen und zeigt ihr wie sich eine junge Frau zu verhalten hat. Er will das sie reifer ist, das er sie sexuelle betrachten kann. Der Wendepunkt in der Handlung ist der, wo Paul sie aus dem Stall wirft, weil das was dort passiert nichts für Kinder ist. Hier realisiert Eva, dass sie eine Frau sein will um Paul zu gefallen.

Diese unschuldige Liebe, leidet immer weiter darunter, dass das Trauma von Paul sich wandelt. Er will Eva für sich haben und hier endet es wie man es vorher sieht. Denn Little Lips – Der zärtliche Tod ist nicht wirklich spannend. Es wirkt wie eine Kopie von Lolita, nur lässt man die moralische Komplexität des Themas und was mit den Personen macht weg und erzählt eine typische Liebesgeschichte, die einen tragischen Hintergrund hat, aber man vergisst dies auch immer wieder und hier ist auch das größte Problem des Films, die Moral.

Moralisch Fragwürdig

Das größte Problem bei Little Lips – Der zärtliche Tod ist neben der sehr stark geklauten Handlung, dass was wir als Zuschauer sehen. Denn man will hier alles als sehr erotisch darstellen. Was in den 70er Jahren, bei einigen Film ja schon immer sehr stark an der Grenze war. Überschreitet man hier doch immer wieder und stellt den Körper von Katya Berger dar. Das alles auch immer wieder mit dem Versuch das es erotisch wirken soll. Wir sollen ihren Charakter so sehen wie es Paul tut. Heimliche Blicke und schauen was sie aussieht. Sie treffen sich auch in einer der ersten Szenen an einem Fluß und man hält die Kamera auf den nackten Körper. Das passiert immer wieder im Film. Als Zuschauer wird man hier dann damit konfrontiert, dass Katya Berger erst zwölf war bei den Aufnahmen und wie es gefilmt ist.

Es ist vielleicht auch der Trick des Films und man will uns dem Zuschauer damit provozieren, weil die Macher wussten, dass Katya Berger perfekt als Lolita funktioniert, mit ihren Augen, die sehr Reif wirken. Dazu der Kontrast ihres kindlichen Körpers. Es ist eine schwere moralische Frage, kann man das noch als Kunst sehen. Sind wir zu sensible geworden? Als Zuschauer muss man sich mit dieser Frage auseinander setzen, es ist auch verständlich, wenn man sich wegen dieser Szenen den Film nicht anschauen will, er bekam in Deutschland schon auf VHS eine Freigabe ab 18 mit diesen Szenen. Dennoch ist das alles andere als harmlos.

Optik

Man hat das Gefühl in einem David Hamilton Film gelandet zu sein. Alles wurde mit einem Weichzeichner gedreht und auch der Soundtrack erinnert etwas daran. Doch irgendwas ist anders. Es fehlt die Ästhetik, zwar gibt es ein paar Szenen, die sehr subversiv sind und wir sehen alles aus den Augen von Eva und Paul. Aber im Verlauf des Films wird das alles sehr voyeuristisch und man stellt alles sehr deutlich klar. Zwar erkennt man aufgrund von schlechten Master kaum noch etwas, dennoch reicht es aus und hier ist wieder das moralische Problem. Man ist so exploitativ wie es nur geht und zeigt uns immer wieder den Körper von Katya Berger, als wär es das normalste der Welt.

Ansonsten bekommt man eine schöne Landschaft geboten und man sieht eine Zeit im Wandel, kurz nach dem ersten Weltkrieg, alle spielen heile Welt und das zeigt man auch immer wieder im Film. Die Szenen mit dem Essen am See, spricht Bände. Alles wirkt so unschuldig und naiv, das kommt immer wieder vor bei den Bildern des Films. Obwohl dann Little Lips – Der zärtliche Tod, wieder ein paar schritte zu weit geht.

Fazit:

Little Lips – Der zärtliche Tod behandelt nicht nur ein schweres moralisches Thema, sondern ist es auch für seine Zuschauer. Denn wie man Katya Berger hier darstellt und ihren kindlichen Körper ist extrem moralisch fragwürdig und als Zuschauer ist es eine Erfahrung von einer Grenzüberschreitung, die man zwar bei ähnlichen Filmen auch hat, nur fühlt es sich hier noch mehr falsch an, weil es nicht notwendig gewesen wär, diese Szenen im Film zu haben.

Little Lips - Der zärtliche Tod

Movie title: Little Lips - Der zärtliche Tod

Director(s): Mimmo Cattarinich

Actor(s): Pierre Clémenti, Katya Berger, Ugo Bologna, Michele Soavi, Raf Baldassarre, José Luis López Vázquez, Bárbara Rey, Tom Felleghy, Cesare Di Vito, Walter Colombaioni, Eros Buttaglieri, Paul Muller

  • 5/10
    Handlung - 5/10
  • 6/10
    Schauspiel - 6/10
  • 6/10
    Regie - 6/10
  • 2/10
    Spannung - 2/10
4.8/10

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