Die weiten Welten des Internet sind voller Dinge, es gibt für alles einen Markt und seit Jahren, ungefähr so lange es Webcams gibt und Breitbandinternet, gibt es Camsex Seiten. Etwas wo Frauen sich ausleben können, ihre sexuellen Vorlieben ausleben und Männer oder Frauen bezahlen dafür. Man kann mit den Models auch Live Chaten und so entsteht eine Form von interaktivität. Das alles hat auch seine Grenzen und Regeln. Es ist eine Community und das Model hat ihre Fanbase. Sie bekommt dafür Tokens, mehr Tokens bedeutet mehr Geld und mehr Erfolg auf der Seite. Es ist ein harter Job und die Models geben alles für ihre Fans. Es ist etwas was man schnell falsch verstehen kann. Drehbuchautorin Isa Mazzel hat ihr Leben als Camgirl in einem Film verarbeitet, doch sie macht daraus kein Drama, sondern ein Horrorfilm, welcher die Schattenseiten beleuchtet aber auch sehr viel Positives zeigt.

Die Handlung dreht sich um das Cammodel Lola, welches auf dem Weg des Erfolgs ist. Ihr Raum wird immer beliebter bei den Fans und sie tippen immer mehr. Dabei zeigt sie ein paar krasse Shows und macht einen Fake Selbstmord. Ihr Leben ist gut, sie will mehr und will den Fans zeigen, was sie kann. Natürlich immer nur nach ihren Regeln. Eines Morgens, nach einer wilden Show auf einem Vibatron, erwacht Lola und stellt fest, ihr Account wurde gehackt und es gibt da einen Doppelgänger, doch wer ist die mysteriöse Frau, die ihr Camleben übernommen hat. Schnell stellt sich raus Lola heißt eigentlich Alice und ihre Familie weiß von ihrem Beruf noch nichts. Viel schlimmer ist aber der Doppelgänger, denn der wird immer erfolgreicher.

Man merkt Cam an, dass Drehbuchautorin Isa Mazzel hier ihre Erfahrung mit einbringt. Der Film wirkt am Anfang sehr realistisch und man bekommt eine neue Welt geboten, sollte man die Camseiten nicht kennen. Dabei zeigt sie die Schattenseiten aber als den Horror, das ungreifbare. Sie zeigt ein sehr positives Bild, von jungen Frauen die selber entscheiden was sie mit ihrem Körper machen und was sie zeigen.

Die vorgetäusche Realität in Cam

Das Leben eines Camgirls besteht aus viel Stress, sie weiß nie ob ihr Raum voll wird und ob sie Geld verdient. Sie arbeitet daran erfolg zu haben, mit ihre Art und wie sie sich gibt. Das ist wichtiger als das sie nackt wird. Sex spielt auch eine Rolle, doch die Menschen die ihren Raum besuchen, wollen etwas geboten bekommen. Diese Form der Interaktivität. Als Zuschauer von Cam werrden wir direkt in so eine Situation hinein geworfen. Wir lernen Lola kennen und wie sie mit ihren Fans agiert. Sie kennen sich machen witzen und sie tippen. Alle warten auf einem Countdown der erfüllt wird. Eine Cumshow, Lola wird also für ihre Fans Live vor der Kamera masturbieren. Doch diese Idelle wird von einem fremden Unterbrochen, dieser will unbedingt eine Show mit einem Messer. Er bekommt sie. Es ist ein Schockmoment und dieser wird aber auch schnell augelöst.

Hier zeigt der Film schon etwas die Schattenseiten, die Creeps die es überall gibt. Lola nutzt das aber für sich und liefert eine Show, damit zeigt sie aber auch, wie weit ein Mensch für Erfolg gehen wird. Nach diesem Schock lernen wir Alice etwas besser kennen, so heißt Lola wirklich. Die Camgirls tun alles damit man nicht erfährt wo sie wohnen oder wie sie wirklich heißen. Die Gefahr gibt es überall. Dazu auch Zickenterror, denn als ein Cammodel versucht mit allen Mitteln Erfolg zu haben, wird Alice sauer und macht eine besondere Show im Haus von befreundeten Camgirls. Danach geht dann der Albtraum erst los.

Dabei zeigt uns Cam dann die Welt offline, denn Alice kann keine Show mehr machen, ihre Doppelgängerin hat es übernommen. Die Frage wer steckt dahinter. Dabei wird der Film auch sehr psychologisch, wir sehen Lola und wir sehen Alice, dieselbe Frau aber zwei unterschiedliche Persönlichkeiten. Sie ist anders als vor der Cam, es ist halt alles Show. Doch das begreifen viele in ihrer Umgebung nicht.

Der Horror in Cam

Es ist einer der schlimmsten Vorstellungen für viele Menschen, dass einem die Identität gestohlen wird. Was soll man machen, was will die andere Person damit. Doch bei Cam treibt man es auf die Spitze, denn es gibt einen Doppelgänger und der macht einfach weiter. Selbst die Räume sind gleich. Wer steckt dahinter und was ist das Ziel? Schlimmer ist noch, Alice muss alles mit ansehen, was Lola dort macht und sie ist machtlos. Die Polizei, versteht es nicht und ein Offizer macht sie auch schamlos an. Der Kundensupport ist auch unfähig, das sie ja Online ist. Man nimmt es so hin, denn die Doppelgängerin bringt Geld ein und alle anderen verstehen es auch nicht. Doch Alice gibt nicht so leicht auf. Sie ist zwar am verzweifeln. Dennoch scheint sie einen Plan zu haben.

Sie versucht alles und trifft sich mit Fans, was immer unangenehm werden kann. Denn die Typen die sich mit einem Camgirl treffen wollen, sind vielleicht nicht das was man erwartet. Beide die sie trifft, stellen sich als Arschlöcher raus und beide haben Probleme. Barney scheint ein ältere notgeiler Typ zu sein, mit zu viel Geld, der versucht sich die Liebe der Mädels zu erkaufen. Tinker dagegen hat ganz andere Probleme, er scheint aber auch zu wissen was vor sich geht.

Als Zuschauer erfahren wir in Cam aber nie was das Böse wirklich ist. Es ist viel mehr eine Metapher für den Ehrgeiz eines Menschen, der mehr will und sich verändert. Es sind zwei Persönlichkeiten und als Camgirl muss man anderes reagieren als im echten Leben. Dennoch zeigt Cam hier nicht nur die bösen Schattenseiten. Es ist viel mehr die Erfahrung einer Autorin.

Optik

Die Welt von Cam ist voller unnatürlicher Farben. Es passt perfekt zu den Räumen des Camgirls. Alles ist voller Neonfarben, es ist Grell aber auch Dunkel. Es erzeugt eine gute Atmosphäre. Es wirkt aber auch wie eine andere Welt, wir tauchen mit Alice in diese ab und je länger der Film läuft, desto düstere werden die Farben. Vor allem wenn sie sich mit den Fans trifft, hier hat man schon mal ein schummriges gelbes Licht, es wirkt sehr bedrohlich und wir sehen schon an den Bildern was er für ein Typ ist. Das steht im Kontrast zu dem wie wir Lola Online erleben. Immer fröhlich und mit den Fans reden, dabei ist alles voller heller Farben, vor allem immer in Kontrast zu Schwarz oder Rot. Es ist ein moderner Film, der mit den Neonfarben spielt, eine Szene erinnert sogar etwas an Suspiria von Argento.

Da wir es bei Cam mit Cammodels zu tun haben, gibt es viele Szenen, die einen Chat zeigen oder Webcam aufnahmen, doch wir sind immer nah dran und schauen mit drauf. Die Kamerafahrt am Anfang macht das sehr schön. Sie zoomt langsam aus dem Chatbild raus und wir sind im Zimmer von Lola. Das Finale ist auch ein optisches Highlight, auch zwischen drin gibt es immer wieder tolle Kamerafahrten und Einstellungen, die uns mitfühlen lassen und wir sind immer nah bei Alice. Selten ist sie nicht im Bild, alles dreht sich immer um sie.

Fazit:

Cam zeigt ein sehr realistisches Bild der Cammodels, dabei wird der Film sehr schleichend zu einem Psychohorrorfilm über Identitätsdiebstahl und wie Machtlos man ist. Ein sehr interessanter Film, der auch die Schattenseiten des Cammodel lebens zeigt, aber auch sehr Positiv ist, da er niemals das verteufelt, was die jungen Frauen tun.

Cam

Movie title: Cam

Director(s): Daniel Goldhaber

Actor(s): Madeline Brewer, Patch Darragh, Melora Walters, Devin Druid, Imani Hakim, Michael Dempsey, Flora Diaz, Samantha Robinson, Jessica Parker Kennedy, Quei Tann, Linda Griffin, Clint Jung

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 7/10
    Spannung - 7/10
8.0/10