©Indeed Film 2018

Bevor David Cronenberg seinen wirklichen Durchbruch hatte, drehte er schon ein paar kleinere Filme. Dabei setzte er schon auf Körperhorror, was später sein Markenzeichen werden sollte. Eins seiner Frühwerke war Rabid. Hier kommt sein Horror schon langsam zur Geltung aber auch andere Dinge, die ein Cronenberg ausmachen. Dazu aber auch das typische kanadische Exploitationskino der 70er Jahre. Vor und Hinter der Kamera versammeln sich nun berühmte Namen, wie Ivan Reitman, der den Film produzierte und später als Regisseur mit Ghostbuster einen Kultfilm erschuf. In der Hauptrolle ist Marilyn Chambers zu sehen, diese kommt direkt aus der Pornobranche und wurde durch Behind the Green Door Weltberühmt. Sie war aber nicht die erste Wahl, sondern Sissy Spacek sollte die Hauptrolle übernehmen und war auch Cronenbergs erste Wahl, doch Produzent Ivan Reitman war für Chambers, denn sie bringt die Erotik des Charakters mit in den Film. Was hier die bessere Wahl war.

Die Handlung dreht sich um Rose, sie hat mit ihrem Freund Hart Reed einen Motorradunfall. Während er mit leichten Verletzung davon kommt, wird Rose schwer verbrannt. Zum Glück sieht man den Unfall von der Keloid Clinic aus und Rose wird dorthin gebracht. Die Klinik ist auf Schönheitschirurgie spezialisiert und der Arzt Dr. Dan Keloid nutzt eine neue Technik um Roses Körper wieder herzustellen. Doch sie liegt immer noch im Koma. Nach ungefähr einem Monat, wacht sie in der Nacht auf und greift einen Mann an, er hat eine Wunde am Körper, keiner kann erklären was passiert. Ab diesen Punkt überkommt Rose immer wieder der Blutdurst und sie fällt Menschen an. Zur gleichen Zeit fängt eine neue Seuche an das Land zu befallen und Menschen verhalten sich wie Tollwütige.

David Cronenberg schlägt mit Rabid die leisen Töne des Körpershorrors an und entwickelt so eine düstere Atmosphäre. Das zieht sich durch den Film, dabei treibt er es auch auf die Spitze und spielt mit den Ängsten der Menschen. Wir werden in eine Welt gezogen, die langsam aus den Fugen gerät.

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Rose wird vom Opfer zum Täter in Rabid

Bis Rabid los legt dauert es etwas, wir lernen die Menschen in der Klinik etwas kennen. Den mutigen Arzt, der eine neue Methode ausprobiert und diese scheint auch zu funktionieren. Nur sind die Nebenwirkungen unbekannt. Wenn Rose dann erwacht, wird sie zum Opfer und Täter, denn sie trifft immer wieder auf Männer die sie sexuell Belästigen, wegen ihre Schönheit. Hier nutzt dann ihr neuer Trieb diese Männer aus und sie saugt ihr Blut. Im Grunde wissen wir auch nicht mehr über Rose, wer war sie? Was macht sie? Wie ist ihr Charakter, sie ist dieser kalte Mensch der kaum redet. Alle anderen Figuren im Film lernen wir etwas besser kennen.

Rose bleibt in Rabid aber ein Mysterium, eins ist aber klar, ihr wird irgendwann bewusst was sie tut und sie kämpft dagegen an. Doch das Monster in ihr übernimmt immer wieder die Kontrolle. Die Gefahren für sie sind aber immer gleich. Auch als sie in ein Pornokino geht, wird sie von einen Mann angebaggert, sie sagt sogar noch, dass sie gern solche Filme schaut und immer von Männern belästigt wird. Der gute Herr, scheint es gut zu meinen. Sie glaubt ihn auch nicht, aber ist auf der Suche nach einem neuen Opfer. An diesem Punkt weiß sie was sie tun muss um Beute zu bekommen.

Es ist diese düstere Welt in der Rose lebt, wo jeder eine Bedrohung ist und sie ist die größte Gefahr. David Cronenberg spielt damit, er zeigt welche Probleme junge Frauen in einer so maskulinen Welt haben und sie nichts machen können, ohne das sie jemand Belästigt. Die Strafe dafür folgt aber auf der Stelle. Die Krankheit verbreitet sich immer weiter und es gibt kein Entkommen. Niemand weiß wie es angefangen hat und Rose wird nur zu einer Randnotiz für das alles.

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Der schleichende Horror von Rabid

Rabid beginnt mit dem Motorradunfall und baut dann alles langsam auf. Wir bekommen den Horror am Anfang gar nicht mit, wir verfolgen all die Charaktere bei ihrer täglichen Arbeit. Dann erwacht Rose und es geht los, langsam häufen sich Bericht von Menschen die langsam durchdrehen. Immer wieder sehen wir diese “Tollwütigen” wie sie andere Menschen anfallen. Auffällig für uns als Zuschauer ist dabei, dass es immer Opfer von Rose sind am Anfang. Ist sie der Urpsrung von allem? Bis zum Ende lässt uns der Film im ungwissen, wir sehen nur in kurzen Momenten, was mit ihrem Körper los ist, das Ding was ihre Achselhöhle kommt und das Blut saugt. Doch wie entstand es? War es die Operation und war geplant von dem Arzt?

Je mehr das Chaos ausbricht, desto weniger sehen wir von Rose, wir sehen auch die anderen Charaktere und was sie Erleben. Dazu TV-Sendungen die uns erklären was gerade in Kanada passiert. Es ist ein realer Horror, denn er spielt mit der Angst der Menschen, eine Bedrohung von außen die Niemand kontrollieren kann. Man ruft sogar den Ausnahmezustand aus und lässt das Militär die Städte kontrollieren. David Cronenberg zeigt hier einen Polizeistaat, der aus dem Chaos geboren wird. Menschen die keinen Pass haben werden aussortiert und dürfen nirgendwo rein. Rassismus startet und niemand kann ihn aufhalten. So tragischer sind dann die letzten Bilder von Rabid.

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Optik

Man sieht Rabid immer wieder an, dass David Cronenberg hier noch nicht so viel Geld für seine Produktion hatte und seine Ideen umsetzen konnte. Dafür nutz man das vorhandene sehr gut. Man nimmt die ländliche Gegend Kanadas und setzt dort den Film an. So bekommen wir tolle Naturaufnahmen geboten und auch die Orte sehen schick aus. Obwohl manches einem bekannt vor kommen könnte. Die Szene in dem Pool erinnert etwas an Shivers. Aber das stört weniger. Man erzeugt im laufe des Films diese düstere Atmosphäre, vor allem immer dann, wenn die Menschen durchdrehen und ander angreifen, dies kann schon mal in einer U-Bahn passieren.

David Cronenberg fängt das in nüchternen Bilder ein. Durch die Ausstrahlung von Marilyn Chambers wird die Figur Rose zu dem was sie ist. Eine zerbrechliche junge Frau, die eine starke erotische Ausstrahlung hat. Man merkt warum Männer sie belästigen, dies könnte aber auch an dem Körperhorror liegen. Sie passt perfekt in die Rolle. Auch sonst nutzt Cronenberg seine Kamera und ist sehr subversiv und wir sehen viel immer mit einer Frontalaufnahme und alles passiert hinter der Kamera. Wir sind Opfer und Täter zu gleich. Auch ein One Shot ist dabei. In dieser längeren Szene, sehen wir was in der Klinik passiert ist, als ein Polizist es erklärt. Das endet sogar mit einem kleinen Jumpscar.

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Fazit:

Rabid ist ein toller und düsterer Körperhorrorfilm. David Cronenbergs zweiter Spielfilm, bietet eine dichte Atmosphäre und die nüchterne Bilder zeigen uns einen Horror in einer ganz anderen Form. Marilyn Chambers kann als Rose überzeugen und man nimmt ihr die Hilflosigkeit ab, genauso wie die Erotik die sie ausstrahlt.

Rabid

Movie title: Rabid

Director(s): David Cronenberg

Actor(s): Marilyn Chambers, Frank Moore, Joe Silver, Howard Ryshpan, Patricia Gage, Susan Roman, Roger Periard, Lynne Deragon, Terry Schonblum, Victor Désy, Julie Anna, Gary McKeehan

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
7.8/10