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Abikalypse

Deutsche Komödien haben so einen schlechten Ruf, dass wenn nicht gerade Til Schweiger oder sein Klon drin sind, alle sich darüber aufregen. Dabei ist Schweiger und sein Klon Schuld an der ganzen Lage. Dann gab es da noch Fack ju Göhte 1-3, eine Reihe, welche sich über die Jugend lustig macht und seine Figuren nicht immer ernst nahm. Auch wenn man es im Verlauf versucht hat. Dann sind da noch die Ausreißer wie Das schönste Mädchen der Welt und jetzt auch Abikalypse. Denn hier bekommt man einen guten Film, der mit der Genreformel spielt und tiefe in die sonst so Seelenlose deutsche Teeniekomödien bringt. Regisseur Adolfo J. Kolmerer ist zwar noch ein nicht so beschriebenes Blatt, denn unbeschrieben passt nicht. Drehte er doch mit Schneeflöckchen einen der besten deutschen Genrefilme. Der Trailer zu Abikalypse macht es dem Zuschauer schwer, denn hier zeigt man nur kurze Momente aus der Komödie und man hat, als Zuschauer das Gefühl man bekommt das typische serviert. Doch dann sieht man den Film und es eine Erleuchtung. Denn man bekommt Humor, Tiefgang, aktuelle Themen, Sozialkritik und etwas Liebe.

Unsere vier Helden sind die Außenseiter und Leben ihr leben, sie haben das Abi geschafft und dann soll es weiter gehen. Doch Musti will das nicht und bringt seine Freunde in eine brenzliche Lage. Die Handlung klingt auch sehr Genre typisch und so verläuft sie auch. Dabei lässt man das offensichtliche Pärchen gleich zusammen kommen, damit hier eine Wendung bringen kann. Das fühlt sich frisch und neu an. Auch sonst gibt es ein paar Wendungen.

Bei Abikalypse macht man so viel richtig, dass man sich als Zuschauer immer wieder wunder. Denn neben der Handlung, welche zwar deutlich dem Genre folgt, aber immer wieder für Überraschungen sorgt. So gibt es da auch noch die tolle Kamera arbeit und die Momente, wo man merkt, dass man hier etwas mehr zeigen will, also nur den nächsten Lacher. Warum das alles so gut funktioniert und wieso der Film einen Blick wert ist, werden wir in den nachfolgenden Zeilen etwas genauer durchgehen.

Abikalypse die Überraschung des Genres und wie man es richtig nutzt!

Dann wären die Ängste der Vier. Diese sind so gut in Szene gesetzt, alleine die von Hannah spiegelt die Ängste einer jungen Frau wieder, die gern Videospiele spielt. Hier auch, sehr realistischer. Denn Hannah versteckt das sie weiblich ist, beim Online zocken. Damit sie keine dummen Kommentare bekommt, sie will Spielen, weil sie gut ist. Auch die Ängste der drei anderen sind sehr gut dargestellt. Tom hat angst so zu enden wie seine Eltern. Musti will einfach berühmt sein und seine Freunde nicht verlieren und Yannick hat angst keine eigene Identität zu haben. Das sind alles Ängste die man, als Zuschauer nachvollziehen kann.

Mit diesen Ängsten werden wir aber erst nach und nach konfrontiert. Zwar ist uns als Zuschauer klar, sie werden kommen. Die Frage ist hier: Wann kommen sie und wie werden sie aussehen? Jedes Mal danach verstehen wir die Figur besser. Alleine Jan, er kann sich nie entscheiden. Warum ist er so? Seine Angst zeigt etwas, das wir danach in echt sehen. Er hat große Ängste, das Falsche zu tun und lässt es dann lieber gleich bleiben. Musti ist das größte Rätsel und erst am Ende bekommen wir das letzte Puzzleteil. Das sind die dramatischen Momente in Abialypse und alleine mit diesen hebt sich die Komödie von der Konkurrenz ab.

Auch der Humor funktioniert. Schon wie die Figuren eingeführt werden. Modern, mit Infos zu ihrem Verhalten online und was sie ausmacht. Bei Musti gibt es wieder den Gag, der perfekt zu seinem Charakter passt. Die anderen drei bekommen dies auch. In den ersten Minuten baut man so eine Bindung mit den Figuren auf, ohne viel zu erzählen und zu erklären, wissen wir, wer sie sind. Das funktioniert sehr gut und hilft dem Film. Denn so verliert man nie das Tempo. Man stoppt zwar immer für die dramatischen Momente, diese ziehen sich aber nie, weil sie so gut in die Handlung passen.

Bei der Kameraarbeit gab man sich auch viel Mühe. Alleine im Finale nutzt man dann alles, hier gibt es Handyvideos und auch Weitwinkelaufnahmen. Alles verdeutlicht, was die Figuren durch machten. Dazu die Einblendungen von Likes in Sozialennetzwerken und wie sich etwas verbreitet. Optisch gibt man sich viel mühe. Hier kommt dann auch immer wieder die Sozialkritik durch, diese wird auch von einer Figur im Film verkörpert. Sie spiegelt die moderne Neue Welt perfekt wieder. Es ist ein Seitenhieb an die aktuelle Generation und dem Zielpublikum, dabei verarscht man es aber nicht. Sondern zeigt einfach nur, was falsch läuft. Dabei verurteilt man nicht. Es ist einfach und wir alle Leben damit.

Fazit:

Abikalypse ist eine positive Überraschung. Hier lohnt sich das Anschauen wirklich. Man bekommt eine Komödie mit viel Tiefgang und Sozialkritik. Dabei ist man auf der Höhe der Zeit.

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