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FIlmkritik

Goethes Faust

„Du ließt manchmal Goethe oder Faust, wow“ Kc Rebell & Summer Chem – WOW

Eine Review mit einem Zitat aus einem Rap Song zu beginnen, ist nun auch von der Liste gestrichen. Ähnlich sieht es aus mit Dinge die man nie für möglich gehalten hat. Das man Faust von Goethe in die Moderne bringt. Was man schon mit Shakespeare gemacht hat und ein paar Highlights hervorbrachte, wie: Romeo & Julia oder Hamlet. Faust ist noch mal etwas anderes. Etwas Deutsches und das in die Neuzeit zu bringen ist ein Wagnis. Denn wie modernisiert man die Figuren? Welche Orte nimmt man, wie passt man es an und bleibt man dem Text treu. Regisseur Karsten Prühl versuchte sich daran und so entstand Goethes Faust.

Die Handlung spielt in einer Großstadt und Faust ist nun ein Hacker, der gern auch mal etwas ballert. Er beschwört eines Tages Mephisto herbei, sie bietet ihm einen Deal an und er sagt zu. So ziehen beide Los und wollen die Welt entdecken. Obwohl Faust hier sehr zurückhaltend ist. Erst als er Gretchen trifft und sich verliebt, will er von Mephisto, dass er seine Angebetete bekommt.

Faust von Goethe ist Schulstoff und als Schüler war man fasziniert und auch gelangweilt, weil es halt alter Stoff war, und irgendwie war es nie cool. Die Liebe für diese Geschichte kommt später. Denn sie voller Fantasyelemente, mit Dämonen und übernatürlichen Elementen. Man taucht in die Welt ab und erlebt den Pakt mit dem Teufel. In der Schule war dann das Highlight das Theaterstück und die Hoffnung, die Nacktszene mit Gretchen würde auch gezeigt. Das war der Traum von jedem pubertierenden heterosexuellen Teenager. Doch wir schweifen in der Einleitung ab. Also zurück zu Goethes Faust.

© Daniel Goede

Der moderne Pudelskern!

In welcher Version des neuen deutschen Films sind wir jetzt eigentlich? Die jungen Filmemacher bringen neue Ideen auf die Leinwand oder 2020 auch direkt nach Hause. Alles ist anders, neuer Stil und neue Vision. Alles ist erlaubt und die Themen sind düster und auch mal voller Humor und Sex. Man zeigt Deutschland von einer anderen Seite. Abseits des Mainstreamkinos. Man versucht etwas Neues und fordert den Zuschauer heraus. So auch bei Goethes Faust. Man muss sich auf die Idee und Bilder einlassen. Man macht aus dem Drama von Goethe etwas Neues. Im Kern des Pudels ist es immer noch genau die Geschichte, welche wir aus dem Deutschunterricht kennen.

Am Anfang wirkt das alles noch etwas wie Mr. Robot, der in der Welt von Faust gelandet ist. Wir sehen unsere Hauptfigur beim Leben und denken. Hier wird der Stil des Films geprägt. Man blendet Textzeilen ein, Wörter und leitet so das neue Kapitel in der Geschichte ein. Auch Zeichnungen im Bild, vor allem der Penis taucht immer wieder auf, wenn jemand erregt ist. Was die Geschichte verbildlicht. Die Kamera ist immer wieder nah an den Gesichtern und verweilt bei Monologen dort, fährt dann weiter und im Dialoge bleibt manchmal eine Figur im Hintergrund unscharf. Alles schreit nach Berlin und Ostdeutschland. Drehte man auch in Halle und Leipzig.

Beim Text hält man sich an die Zeilen von Goethe. Doch es gibt ein paar Momente, wo man mit diesen bricht. Das passiert bei Gretchen, hier wird man brutal aus der Welt des Films gerissen für einen Moment. Das verleiht ihnen etwas besonders. Auch spricht Mephisto direkt in die Kamera. Dass die Figur hier nun weiblich ist, passt auch. So gibt es andere Emotionen von dem Bösen.

Fazit:

Goethes Faust ist etwas Neues, was aus Altem gemacht wurde. Ein Experiment, auf das sich der Zuschauer einlassen muss. Die Verfrachtung der Geschichte von Goethe in unsere Zeit ist ein Wagnis, was funktioniert. Es dauert am Anfang etwas, bis man damit zurechtkommt und auch das fehlen mancher berühmter Textzeilen ist zu verschmerzen. Man passte es gut an.

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VoD

© Daniel Goede
© Daniel Goede

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